Buchtipp Juni-Juli 2021

Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens

Richard David Precht

Goldmann Verlag, 2020;

zu finden: im lokalen Buchladen, an gut sortierten Büchereien ausleihbar;

Vielleicht ist es jetzt mehr denn je Zeit, hinauszugehen und die Wärme des Sommers, den Regen, den Wind auf der Haut zu spüren, die Pflanzen und Tiere wahrzunehmen, die Vogelstimmen zu hören, sich an den vielen verschiedenen Blüten und deren Duft zu freuen…

Klappentext / Info vom Verlag:

Richard David Precht beschäftigt sich mit den wichtigsten Fragen rund um das Thema »Künstliche Intelligenz« – und bezieht dabei auch die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen durch die aktuelle Krise mit ein.

Während die drohende Klimakatastrophe und der enorme Ressourcenverbrauch der Menschheit den Planeten zerstört, machen sich Informatiker und Ingenieure daran, die Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz voranzutreiben, die alles das können soll, was wir Menschen auch können – nur vielfach »optimierter«. Ausgehend von völlig falschen Annahmen soll den Maschinen sogar eine menschenähnliche Moral einprogrammiert werden. Richard David Precht macht uns eindringlich klar, dass das nicht möglich ist. Denn unser Leben besteht nicht aus der Abfolge vorausberechneter Schritte. Wir sind viel mehr als das.“

Ich habe das Buch fast verschlungen, im kühlen, bewegten Schatten unter einem Feldahornbaum liegend, wobei mein Blick zwischendurch immer wieder auf die dicken Blütenkugeln der noch kleinen Schneeballhortensie vor mir fiel, auf die Brennesseln an der Böschung, auf krabbelnde Insekten und meine gefiederten Nachbarn in den Bäumen. Es ist noch so ein unperfekter Garten, noch so viel zu tun, und dennoch ist da das Empfinden von purem Sein und von Verbundenheit mit dem Leben um mich herum…

Was Herr Precht in seinem Buch währenddessen vermittelt, könnte in keinem Raum drinnen klarer verständlich werden; schon gar nicht in klimatisierter, nüchterner Atmosphäre und auch vor keinem Bildschirm.

Jetzt sitze ich wieder vor meinem Bildschirm, aber das technische Equipment ist Werkzeug, um etwas zu bewerkstelligen; Nicht mehr als Grabgabel und Spaten Werkzeuge sind, um eine kleine Hortensie einzupflanzen. Sie leben nicht, sie spüren nicht, sie funktionieren nur. Die Pflanze lebt und ich erlebe das kleine, berührende Wunder ihrer vergänglichen Blüten.

Etwas flachsiger ausgedrückt: das ganze digitale Zeug – es funktioniert, aber es hat keinen Groove.

Und zumindest ein Teil dessen, was damit bewerkstelligt wird, ist ökologisch und sozial fragwürdig: immer schneller, immer mehr…

Das Buch ist geistreich und witzig geschrieben, mit einer brillanten Klarheit und einer entlarvenden Treffsicherheit.  

Ein Buchtipp für EntscheidungsträgerInnen, für Ethik- und Philosophieunterricht und für alle Menschen, die sich Gedanken über unsere Zeit und den Zustand der Welt machen.