FILMtipp August-September 2021

Die Erdzerstörer

Regie: Jean-Robert Viallet

ARTE Dokumentarfilm, 2019

zu finden: https://www.arte.tv/de/videos/073938-000-A/die-erdzerstoerer/

Mit all unserer Kreativität, Intelligenz und Empathiebegabung könnten wir Menschen „der kreativ schaffende Teil der Natur“ sein, wie Michael Roads das in einem seiner Bücher „Mit der Natur reden“ oder „Im Reich des Pan“ ausdrückt.

Sollte ich vielleicht besser diese Bücher empfehlen, anstelle eines Films mit einem so destruktiven, düsteren Titel? Die Bücher geben eine mögliche Antwort auf die Frage, was wir denn tun können, um das Steuer des Bootes unserer globalen Zivilisation noch herumzureißen.

Mit so viel Liebe und Respekt für die Natur, wie Roads sie vermittelt, wäre der Schwenk zu einem nachhaltigen Wandel zu schaffen, bevor der durch die Industrialisierung losgetretene ökologische Wandel (Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Verlust der natürlichen Lebensgrundlagen wie Böden und sauberes Wasser etc.) uns mit Katastrophen überrollt. Die Antworten in den Büchern von Roads wären sanft, für manch jemanden zu esoterisch und keinesfalls wären es technische Lösungen zur Symptombekämpfung.

Letztere wären ja vielfach besser kritisch zu prüfen, bevor sie mit Begeisterungsstürmen in Massenproduktion „freigeschaltet“ werden, denn jede sinnvolle Lösung kann immer nur auf dem Durchdringen des Problems aufbauen.

Dieser Film bietet mit seinen 99 Minuten zur Geschichte der Schieflage in der Industrialisierung keine vollständige Erklärung der sozialen, ökonomischen und ökologischen Probleme auf unserem Planeten, aber er bietet einen wichtigen Baustein, das Verständnis dafür zu erweitern und zu schärfen.

Wird hingegen nach Lösungen für die globalen Krisen gefragt, bietet dieser Film sie nicht, sondern er zeigt auf, warum die globale „Fahrtrichtung“ der Entwicklung noch immer dieselbe nicht-nachhaltige ist. Lösungen könnte es so viele geben, wie es Kreativität in der Menschheit mit all ihren verschiedenen Gesellschaften, Gruppen, Individuen gibt, und das ist ganz schön viel.

Es gibt jetzt bereits so viele verschiedene Ansätze, ein Leben im Gleichgewicht mit den natürlichen Prozessen aufzubauen, wie es mutige VordenkerInnen (und -macherInnen!) gibt.

Es gibt den Ansatz des „Guten Lebens“ (Buen Vivir), der ausgehend von den indigenen Kulturen Südamerikas, eine Orientierung auf die (viel wichtigeren) menschlichen Werte jenseits von Konsum und Wachstum anbietet und dessen Kerngedanke von Einfachheit und Bescheidenheit (anstelle des aktuellen Paradigmas des „immer größer, immer schneller, immer neuer) dem wichtigsten Aspekt aus dem Prinzip der Nachhaltigkeit gleichkommt: Suffizienz.

Es gibt den Ansatz von Ökodörfern, in denen mit genügsamen Lebensstilen, Biolandbau und eigener Stromversorgung die Eingriffe in die natürlichen Lebensgrundlagen minimiert werden.
Es gibt Ansätze für die Reduktion von Plastikverpackung, für Upcycling, für nachhaltige(re) Stromerzeugung, für kleinstrukturierten Biolandbau, fairen Handel, und und und.

Es gibt viele Konzepte und Entwicklungen für ein nachhaltiges Leben, die sofort umsetzbar wären und in der Breite der Gesellschaft Akzeptanz finden könnten – vermutlich noch mehr Akzeptanz als bspw. die Reisebeschränkungen zur Corona-Bekämpfung.

Und die Brisanz ist nicht minder gravierend als jene der Pandemie. Das zeigen die aktuellen alarmierenden Nachrichten über Hitzewellen, Waldbrände, Flutkatastrophen, aber auch über Krieg und Ausbeutung.

Aber all die nachhaltigen Ideen, Konzepte und Projekte werden in den Schubladen liegen bleiben, oder nur im kleinen Maßstab von mutigen Einzelpersonen und Grüppchen umgesetzt werden, solange breitenwirksame gesellschaftliche Entscheidungen von mächtigen Lobbys diktiert werden können.

Das bringt dieser Film so klar auf den Punkt.

Die Empfehlung richtet sich an EntscheidungsträgerInnen, LehrerInnen (für den Unterricht) und an alle anderen Menschen, denen die Zukunft ihrer Kinder, Enkel und Mitmenschen auf unserer wunderschönen Mutter Erde wichtig ist.