Buchtipp April-Mai 2021

Die sinnlichen Gärten des Albertus Magnus

Stefanie Hauschild

Thorbecke Verlag, 2005; gefunden in .medimops.de

Traubenhyazinthen – magische Zwerge

Alle, die meine Buchtipps schätzen, mussten diesmal etwas warten. Selbst der zweimonatige Rhythmus, um neue spannende Bücher zu entdecken, fällt bei all den praktischen Aktivitäten gerade nicht so leicht.

In meiner Büro-Bibliothek stehen noch viele, weitere stehen auf der Wunschliste; aber nicht alle begeistern mich letztendlich so sehr, dass ich sie weiterempfehlen möchte.

Und dann braucht das Lesen natürlich auch ein gewisses Maß an Muße, das neben den derzeitigen Anforderungen nicht so recht aufkommen will: mein Begleiter, der kleine Granatapfelbusch, will vom geschützten Winterquartier hinaus ins Freie an eine vollsonnige Stelle – aber bitte so, dass der Kunststoff-Trog nicht zu sehr aufgeheizt wird, denn das mögen die Wurzeln keiner Pflanze. Also ein Schutz davor und Grasmulch oben drauf. Das hält die Feuchtigkeit in der Erde und fördert das Bodenleben, auch im Topf. Frisch gepflanzte Lavendel wollen mit Mulch vor Kälte geschützt werden und warten schon sehnlich auf ihre Gesellschaft, die Kletterrose, für die der Bogen schon aufgebaut ist; Hyazinthen rufen nach Wasser, Iris sprießen so schnell aus ihren Knospen, dass ich ihnen beim Wachsen zuschauen möchte, Traubenhyazinthen halten mich fest mit ihrem Duft, der so dezent ist, dass man sich hinknien und mit der Nase ganz hingehen muss, um ihn zu entdecken. Aber dann kann ein „Schokotiger“ wie ich sich nicht mehr lösen… sie riechen einfach besser als jeder Nachtisch je schmecken könnte… Diät leicht gemacht😊.

Es ist Frühling und ich gestalte meinen Garten – mit Stift & Papier, mit Hacke und Schaufel, mit Motorsäge, Schubkarren, Rechen und Gießkanne. Und wer mich dabei begeistert und inspiriert, ist dieser interessante Herr: Albertus Magnus, der im 13. Jhdt. geniale Gartenbau- und Pflanzenkenntnisse vermittelte, die bis heute kaum an Aktualität verloren haben; und all dies zusammen mit der uralten Weisheit, dass ein Garten ein Stück vom Paradies sein kann. Jeder Gartenliebhaber weiß das.

Ein feines Buch über „Die sinnlichen Gärten des Albertus Magnus“ ist 2005 von Stefanie Hauschild im Thorbecke Verlag erschienen.

Klappentext / Info vom Verlag:

„Bereits im 13. Jahrhundert verfasste der Mönch und Gelehrte Albertus Magnus eine Abhandlung über den Garten. Umso erstaunlicher ist daher die große Aktualität des Textes, in dem der Mönch zum ersten Mal die Anlage eines Gartens beschreibt, der nur der Freude und Erholung dienen soll, nicht aber dem Nutzen und Ertrag. Viele dieser Erkenntnisse wenden wir heute wie selbstverständlich bei der Anlage und Pflege unserer Ziergärten an, Anderes aber ist in Vergessenheit geraten. Lassen wir uns doch von Alberts „Garten für die Sinne“ und den praktischen Anregungen der Autorin in diesem Buch dazu inspirieren, unsere Gärten neu zu sehen und zu gestalten, oder genießen wir einfach die stimmungsvollen Abbilder.“

Da der heutige Ziergartenbegriff tendenziell auf Aussehen reduziert ist, das Garten-Verständnis im Mittelalter jedoch viel ganzheitlicher war, möchte ich den Klappentext mit folgendem Zitat aus dem Buch selbst ergänzen:

„Wir können davon ausgehen, dass im Mittelalter ein Bewusstsein für die Schönheit der Blumen und Kräuter vorhanden gewesen ist, wenn auch die Schönheit immer mit dem Nutzen als Heil- oder Gemüsepflanze verbunden und nie als eigenständige Kategorie betrachtet wurde. Albert war der erste Autor, der in einer Abhandlung Pflanzen ausschließlich ihrer Schönheit und ihres Duftes wegen in ein Gartenkonzept einbezog und in eine Ordnung brachte.“

Auch war im Mittelalter die Schönheit nicht auf den rein physischen Aspekt reduziert. Pflanzen wurden als Teil der göttlichen Schöpfung verstanden und sind mit vielfältiger Symbolik aufgeladen – ein Aspekt, der in der damaligen Literatur beschrieben ist und auch aus den zahlreichen Gemälden hervor geht. Im Buch sind einige wunderbare Beispiele solcher Gemälde in ganzseitigen Farbtafeln abgebildet. Ein Genuss.

Damit wünsche ich Ihnen (mit etwas Verspätung) einen inspirierenden Aufbruch in die Gartensaison!